Rückblick: BGFZ.live am 05. August 2025 – Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) in Unternehmen

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Am 05. August 2025 widmete sich unsere virtuelle Veranstaltung BGFZ.live einem Thema, das oft erst im Ernstfall seine ganze Tragweite zeigt: Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) in Unternehmen.

Unsere Referentin Ines Hertzsch, erfahrene Ausbilderin und Einsatzkraft in der PSNV, vermittelte den Teilnehmenden, warum neben der technischen und organisatorischen Vorbereitung vor allem auch das menschliche Handeln in Krisensituationen zählt.

Warum PSNV so wichtig ist

Unfälle, Gewaltvorfälle, medizinische Notfälle oder andere psychisch belastende Ereignisse können Mitarbeitende tief erschüttern – mit Folgen für Gesundheit, Sicherheit und Betriebsklima. PSNV schließt hier eine zentrale Lücke im Arbeitsschutz: Sie bietet schnelle, strukturierte und einfühlsame Unterstützung direkt nach dem Ereignis und hilft, Traumatisierungen zu verhindern, Krankenstände zu reduzieren und die Resilienz der Belegschaft zu stärken.

Frau Hertzsch verdeutlichte, dass Unternehmen damit nicht nur ihrer Fürsorgepflicht (§ 618 BGB, DGUV Vorschriften, Arbeitsschutzgesetz) nachkommen, sondern auch ein klares Signal der Wertschätzung setzen. Eine gut etablierte PSNV steigert das Vertrauen, verbessert die Mitarbeiterbindung und wirkt sich positiv auf das Unternehmensimage aus.

Typische Einsatzsituationen

Anhand von Beispielen aus der Praxis wurde deutlich, wie vielfältig die Einsatzindikationen sein können:

  • erfolglose Reanimationen im Betrieb
  • das Überbringen von Todesnachrichten
  • Suizide oder Suizidversuche im Arbeitsumfeld
  • schwere Wegeunfälle
  • Brände, Amoklagen oder Gewaltvorfälle
  • sexualisierte Gewalt
  • plötzliche Todesfälle im Kollegenkreis

 

Diese Situationen erfordern nicht nur schnelle medizinische oder organisatorische Reaktionen, sondern auch gezielte psychosoziale Unterstützung.

 

Die Ausbildung: PSNV in Unternehmen (PSNV-U)

Ein zentrales Thema war daher, wie Unternehmen sich wirksam vorbereiten können – unter anderem durch die Ausbildung eigener Psychosozialer Notfallhelfer:innen (Peers).
Diese speziell geschulten Mitarbeitenden kennen die betrieblichen Strukturen, Ansprechpersonen und Gefährdungslagen und können im Ereignisfall sofort reagieren, strukturieren und als Bindeglied zur Rettungskette agieren. Ziel ist es, die Wiederherstellung des Normalzustandes nach belastenden Ereignissen zu ermöglichen – ressourcenschonend, schnell und ohne Reputationsverlust.

 

Warum eigene Mitarbeitende ausbilden?

  • Sie kennen Firmenstrukturen, Abläufe und Ansprechpersonen.
  • Sie haben einen direkten Draht zu den Kolleg:innen und genießen Vertrauen.
  • Sie können im Notfall unmittelbar und abgestimmt handeln, bevor externe Unterstützung eintrifft.

 

Kompetenzen und Inhalte

Die Teilnehmenden lernen unter anderem:

  • Grundlagen der psychosozialen Betreuung im betrieblichen Kontext
  • Gesprächsführung im Einsatzgeschehen und in der Nachsorge
  • Organisation und Strukturierung eines Einsatzablaufs
  • Erkennen von Betroffenheitsgraden und gezielte Intervention
  • Koordination mit Rettungskette und externen Helfern
  • Nutzung relevanter Netzwerke und Unterstützungsangebote
  • Eigenschutz und Selbstfürsorge für Helfer:innen

 

Ablauf und Trainingscharakter

  • Kombination aus theoretischem Wissen und praktischen Trainings
  • Arbeit mit realitätsnahen Ereignisszenarien
  • Gruppen- und Einzelinterventionen üben
  • Strategien für den Umgang mit Angehörigen und für die Übermittlung von Todesnachrichten

Nutzen für Unternehmen

  • Sicherstellung einer professionellen Erstbetreuung bei Notfällen
  • Reduktion von Traumafolgen und von Krankenständen, Vermeidung von Langzeitausfällen
  • Erhalt der Arbeitsfähigkeit, besonders in Schlüsselpositionen
  • Erfüllung der Fürsorgepflicht und Stärkung der Mitarbeiterbindung
  • Positive Wirkung auf Unternehmensimage und Kultur

 

Weitere Informationen finden Sie auch im Flyer des PSNV - Unternehmen: 

 

Fazit

Die Teilnehmenden nahmen aus dieser BGFZ.live-Ausgabe konkrete Handlungsempfehlungen und ein vertieftes Verständnis für den Aufbau wirksamer PSNV-Strukturen mit.
Unser herzlicher Dank gilt Ines Hertzsch für ihren fundierten und praxisnahen Vortrag sowie allen Teilnehmenden für ihr Interesse und ihre engagierten Fragen.