Rückblick BGFZ.live im Dezember: Weniger Kurse, mehr Gesundheit: Warum 80% aller Maßnahmen verpuffen – und was 2026 wirklich hilft
In unserer BGFZ.live-Veranstaltung beleuchtete diesmal unser Referent Tim Bräuer, Leitung von concept+, ein Thema, das viele Unternehmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement derzeit beschäftigt: Warum verpuffen so viele Maßnahmen – und wie gelingt es, zukünftig deutlich wirksamer vorzugehen?
Vier Muster, warum Maßnahmen nicht wirken
Schon zu Beginn wurde klar: Die Ausgangslage ist paradox. Obwohl in vielen Organisationen zahlreiche Gesundheitsangebote bereitstehen, bleiben die grundlegenden Probleme bestehen. Der Aufwand ist hoch, die Wirkung gering. Bräuers zentrale Botschaft: Gesundheit entsteht im Arbeitssystem – nicht im Kursraum.
Es wurde aufgezeigt, welche Ursachen häufig dazu führen, dass BGM-Maßnahmen nicht das gewünscht Ziel bringen.
- Symptome statt Ursachen:
Unternehmen reagieren häufig mit Kursangeboten, ohne die strukturellen Belastungen zu verändern. Ein Rückenkurs löst keine organisatorischen Engpässe. - Maßnahmen ohne echten Bedarf:
Eine geringe Teilnahme ist nicht gleich Desinteresse. Häufig passt die Maßnahme schlicht nicht zu den tatsächlichen Belastungen der Mitarbeitenden. - Führung als fehlender Hebel:
Mit einem Einfluss von 30–50 % auf das Wohlbefinden ist Führung ein zentraler Faktor. Ohne klare Prioritäten und Vorbildwirkung bleibt jede Maßnahme oberflächlich. - Aktionismus statt Strategie:
„Hauptsache etwas tun“ führt selten zum Erfolg. Ohne klare Ziele und ein konsistentes Vorgehen fehlt die Grundlage für nachhaltige Wirksamkeit.
Was im BGM wirklich hilft
Herr Bräuer stellte im Anschluss vier zentrale Wirkhebel vor, mit denen Unternehmen spürbare Veränderungen erzielen:
- Arbeit organisieren: Prioritäten klären, Abläufe vereinfachen, Störungen reduzieren
- Führung stärken: klare Erwartungen, frühzeitiges Erkennen von Überlastungen
- Teamkultur entwickeln: Kommunikationsregeln, Umgang mit Fehlern, mehr Transparenz
- Prozesse & Strukturen verbessern: Routinen schaffen, statt Events zu planen
Diese systemischen Ansätze führen laut Studien zu deutlich weniger Stress, reduzierten Fehlzeiten und spürbar gesünderen Arbeitsumgebungen. Entscheidend ist darüber hinaus auch die Kombination der Maßnahmen – zum einen natürlich bedarfsgerecht und zum anderen eine Mischung aus Mehrkomponentenprogrammen, das heißt Verhaltens- und Verhältnismaßnahmen.
Praxis Einblicke – kleine Veränderungen, große Wirkung
Besonders anschaulich wurden die Inhalte durch konkrete Praxisbeispiele aus Pflege, Verwaltung und Produktion. Ob ergonomisch angepasstes Schuhwerk, eingeführte Fokuszeiten oder effizientere Materialorganisation – die Beispiele machten deutlich, wie unmittelbar spürbar sich gezielte Veränderungen auswirken können.
Abschließend fasste Bräuer die wesentlichen Erfolgsfaktoren in einem kompakten 3-Schritte-Plan zusammen:
- Wichtigste Belastung identifizieren
- Stärksten Hebel bestimmen
- Ein bis zwei konkrete Schritte umsetzen – mit klarem Plan
Der Leitgedanke dahinter: „Nicht mehr Maßnahmen, sondern wirksamere Maßnahmen.
Ein auflockernder Moment entstand, als Herr Bräuer das Motto „Immer schön in Bewegung bleiben“ aufgriff und die Teilnehmenden darauf aufmerksam machte, dass nicht nur wir für unsere Gesundheit in Bewegung bleiben sollten, sondern auch das BGM in Bewegung bleiben muss – durch datenbasierte Analysen und regelmäßige Evaluationen. Das BGM ist ein Prozess, der immer wieder neu ausgerichtet und angepasst werden muss.
Fazit
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass wirkungsvolles betriebliches Gesundheitsmanagement weniger von der Menge der Angebote, sondern von der systematischen Gestaltung von Arbeit, Führung und Zusammenarbeit abhängt. Herr Bräuer vermittelte praxisnah, wie Organisationen „mehr Gesundheit mit weniger Kursen“ erreichen – und was dafür (2026) entscheidend sein wird.