BGFZ.live Rückblick: Gesundheit kann man nicht verordnen: Gesundheitskompetenz im Unternehmen wirksam stärken
Was braucht es, damit Beschäftigte Gesundheitsinformationen nicht nur kennen, sondern im Arbeitsalltag tatsächlich nutzen können? Mit dieser Frage beschäftigte sich unsere BGFZ.live-Veranstaltung am 2. September 2026 gemeinsam mit Patrick Hüter.
Wenn Wissen allein nicht reicht
Im Mittelpunkt stand das Thema Gesundheitskompetenz im Unternehmen – und damit ein Aspekt der Gesundheitsförderung, der weit über die Vermittlung von Informationen hinausgeht. Zum Einstieg ging es um eine Frage, die viele aus ihrem Arbeitsalltag kennen: Wo scheitert eine gesunde Entscheidung, obwohl das notwendige Wissen eigentlich vorhanden ist?
Zeitdruck, Befindlichkeiten, Gewohnheiten, fehlende Möglichkeiten oder auch unklare Informationen können dazu führen, dass gesundheitsbewusstes Handeln im Alltag schwerfällt. Genau hier setzt das Konzept der Gesundheitskompetenz an.
Gesundheitskompetenz umfasst vier miteinander verbundene Schritte:
- Finden: Wo bekomme ich relevante Gesundheitsinformationen?
- Verstehen: Was bedeuten diese Informationen für mich?
- Bewerten: Welche Informationen sind vertrauenswürdig und für meine Situation relevant?
- Anwenden: Was kann ich daraus konkret für mein Handeln ableiten?
Gesundheitskompetenz bedeutet damit mehr als Lesen, Wissen oder das Befolgen von Empfehlungen. Erst wenn Informationen verstanden, eingeordnet und in eine konkrete Handlung übersetzt werden können, entsteht daraus ein praktischer Nutzen.
Gesundheitskompetenz bedeutet damit mehr als Lesen, Wissen oder das Befolgen von Empfehlungen. Erst wenn Informationen verstanden, eingeordnet und in eine konkrete Handlung übersetzt werden können, entsteht daraus ein praktischer Nutzen.
Die Organisation trägt Verantwortung mit
Ein zentraler Diskussionspunkt der Veranstaltung war deshalb der Perspektivwechsel von der individuellen zur organisationalen Ebene.
Denn selbst ein gutes Gesundheitsangebot kann wirkungslos bleiben, wenn Beschäftigte es im Arbeitsalltag nicht nutzen können. Unternehmen beeinflussen beispielsweise,
- welche Informationen sichtbar und verständlich sind,
- ob ausreichend Zeit für Gesundheitsangebote vorhanden ist,
- ob Fragen ohne Scham gestellt werden können,
- welche Handlungsmöglichkeiten tatsächlich bestehen und
- ob die Arbeitsbedingungen gesundheitsförderliches Verhalten unterstützen oder erschweren.
Damit verändert sich auch die zentrale Frage: Nicht nur „Warum macht der Mitarbeitende nicht mit?“, sondern ebenso „Wie leicht machen wir es den Mitarbeitenden?“
Gesundheitskompetenz ist somit eine gemeinsame Leistung von Beschäftigten und Organisation. Beschäftigte müssen Informationen einordnen und Entscheidungen treffen können – Unternehmen müssen dafür die entsprechenden Zugänge, Wahlmöglichkeiten und gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen schaffen.
Fünf Prinzipien für eine alltagstaugliche Gesundheitsförderung
Unser Referent Patrick Hüter teilte in der BGFZ.live-Veranstaltung fünf Prinzipien für die betriebliche Praxis, um Gesundheitskompetenz auch im Unternehmen wirksam umzusetzen:
1. Bedarf vor Angebot
Nicht vermuten, was Beschäftigte brauchen – sondern zuhören und Bedarfe gemeinsam ermitteln.
2. Einfacher Zugang
Zeit, Sprache und Kommunikationskanal mitdenken. Ein Angebot kann noch so gut sein: Wenn es schwer erreichbar oder schwer verständlich ist, wird es nicht automatisch genutzt.
3. Handlung statt Appell
Konkrete, kleine Schritte ermöglichen, statt ausschließlich zu gesundem Verhalten aufzurufen.
4. Freiwilligkeit sichern
Gesundheitsförderung darf nicht zur Bewertung persönlicher Entscheidungen werden. Beteiligung braucht Freiwilligkeit und einen geschützten Rahmen.
5. Strukturen verändern
Nicht jede gesundheitliche Belastung lässt sich durch individuelles Verhalten lösen. Wo Arbeitsbedingungen krank machen, muss auch an den Rahmenbedingungen angesetzt werden.
Zum Abschluss wurde eine Frage diskutiert, die für Unternehmen besonders relevant ist: Darf ein Unternehmen das Gesundheitsverhalten seiner Beschäftigten überhaupt beeinflussen?
Die Antwort liegt in der Unterscheidung zwischen Ermöglichung und Bewertung.
Unternehmen können verständliche Informationen bereitstellen, gesundes Handeln erleichtern, Beteiligung und Austausch fördern und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen gestalten.
Wie sich diese Prinzipien in der Praxis umsetzen lassen, zeigte Patrick Hüter am Beispiel der „Expedition gesundes Unternehmen“. Mit Formaten wie einer Gesundheitsbox oder einer Gesundheitstüte wird Gesundheit greifbar und Gesundheitsthemen erlebbarer. Bereits beim ersten öffnen setzt dich die Personen mit den Themen auseinander und wird durch kleine Impulse zur Gesundheitskompetenz animiert. Infos dazu unter: https://expedition-gesundesunternehmen.de/
Unser Fazit?
Patrick Hüter beschrieb es als Fazit treffend: “Gesundheitskompetenz entsteht nicht dadurch, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit immer mehr Informationen versorgen. Entscheidend ist, ob Menschen diese verstehen, bewerten und in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich anwenden können – und wie leicht das Unternehmen ihnen genau das macht.”
Kontaktdaten:
Patrick Hüter https://patrick-hueter.de/
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