Rückblick BGFZ.live im Januar: Stabiles Ich in stürmischen Zeiten
Wie Mitarbeitende und Führungskräfte unter Dauerbelastung gesund und handlungsfähig bleiben
Am 29. Januar 2026 fand unsere BGFZ.live-Veranstaltung „Stabiles Ich in stürmischen Zeiten“ mit Eva-Maria Reichl statt. Teilnehmende aus ganz unterschiedlichen Branchen nutzten die Gelegenheit, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, wie innere Stabilität unter dauerhaft hoher Belastung gelingen kann – ohne sich selbst zu überfordern.
Der Vortrag verband arbeitspsychologische Erkenntnisse, Positive Psychologie und systemische Perspektiven mit vielen Beispielen aus dem betrieblichen Alltag und bot konkrete, alltagstaugliche Impulse zur Stärkung der psychischen Gesundheit.
Wenn der Sturm zum Normalzustand wird
Ein zentraler Ausgangspunkt des Impulses von Frau Eva-Maria Reichl war die Erkenntnis: Der „Sturm“ ist kein Ausnahmezustand mehr.
Hohe Arbeitsdichte, permanente Veränderung, emotionale Anforderungen und gesellschaftliche Krisen prägen den Arbeitsalltag vieler Menschen. Entscheidend ist dabei die Entlastung von einer weit verbreiteten Fehlannahme: Dauerhafte Überlastung ist kein individuelles Versagen, sondern häufig Ausdruck systemischer Rahmenbedingungen.
Innere Stabilität entsteht daher nicht durch äußere Ruhe, sondern durch innere Verankerung. Und genau das griffen wir im BGFZ.live Format wieder auf.
Was bedeutet ein „stabiles Ich“ im Arbeitskontext?
Ein stabiles Ich zeigt sich nicht darin, immer stark zu sein oder alles auszuhalten. Psychologisch betrachtet bedeutet es:
- das eigene innere Erleben wahrzunehmen (Gedanken, Gefühle, körperliche Signale),
- flexibel damit umzugehen,
- auch unter Druck handlungsfähig, selbstwirksam und werteorientiert zu bleiben,
- zwischen Reiz und eigener Bewertung unterscheiden zu können.
Stabilität heißt also nicht, dass nichts wackelt – sondern zu wissen, wo man steht, wenn es wackelt.
Die drei Anker innerer Stabilität
Im Zentrum des Vortrags standen drei zentrale Wirkfaktoren, die psychische Stabilität im Arbeitsalltag stärken:
1. Selbstwahrnehmung statt Selbstüberforderung
Wer früh erkennt, was innerlich gerade passiert, kann bewusster reagieren statt im Autopiloten zu handeln. Emotionen dienen dabei als wichtige Frühwarnsignale für Überlastung.
2. Innere Orientierung statt Daueranpassung
Werte, Sinn und Rollenklarheit geben Halt – gerade in Zeiten hoher Anforderungen. Sie wirken wie ein innerer Entscheidungsfilter und schützen davor, sich permanent zu verbiegen.
3. Selbstwirksamkeit im Kleinen
Stabilität entsteht durch erlebte Wirksamkeit. Kleine, bewusste Handlungsschritte helfen, Ohnmacht zu reduzieren und handlungsfähig zu bleiben – auch wenn nicht alles beeinflussbar ist.
Ein zentraler Knackpunkt: Funktion ≠ Mensch
Ein besonders wichtiger Aspekt war die klare Unterscheidung zwischen beruflicher Funktion und Menschsein.
Häufig wird „gut funktionieren“ mit Stärke verwechselt – dabei führt fehlende Abgrenzung langfristig zu Erschöpfung.
Selbstfürsorge bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben, sondern zu wissen:
- Was liegt in meiner Verantwortung?
- Und wo endet sie?
Strukturelle Überlastung lässt sich nicht „wegresilieren“ – hier sind Organisationen gefragt.
Praktische Impulse für den Alltag
Die Veranstaltung bot zahlreiche Tipps für mehr innere Stabilität, die sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren lassen, unter anderem:
- 30-Sekunden-Check:
Was ist gerade los in mir?
Kurz innehalten, wahrnehmen, bevor reagiert wird. - Die Unterscheidungsfrage:
Reagiere ich hier als Mensch – oder aus meiner Rolle?
Schafft Klarheit und emotionale Entlastung. - Die Mini-Grenze:
Sich innerlich erlauben, nicht alles sofort klären oder tragen zu müssen. - Handlungsfokus:
Was ist mein nächster kleiner Einfluss?
Fördert Selbstwirksamkeit statt Grübeln. - Tagesabschluss:
Kurz reflektieren, was gelungen ist, wofür Dankbarkeit besteht und was bewusst losgelassen werden darf.
Stabilität braucht auch Organisationen
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war die Rolle von Führung und Organisation. Psychische Stabilität ist keine individuelle Privatsache, sondern eine strategische Ressource.
Besonders hervorgehoben wurden:
- psychologische Sicherheit als Grundlage gesunder Zusammenarbeit,
- das Benennen von Unsicherheiten,
- Lernen vor Bewerten,
- frühes Thematisieren von Belastungen,
- klare Rollen, Prioritäten und Entscheidungslogiken.
BGM wirkt dann nachhaltig, wenn es Haltung unterstützt – nicht, wenn es strukturelle Defizite kompensieren soll.
Wir bedanken uns herzlich bei Eva-Maria Reichl für den klaren, fundierten und zugleich sehr praxisnahen Impuls sowie für die wertvollen Denkanstöße zur Selbstführung und organisationalen Verantwortung.
Ein ebenso großer Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die offenen Fragen, die ehrlichen Reflexionen und den lebendigen Austausch. Sie haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig Räume sind, in denen psychische Belastungen sichtbar und besprechbar werden.
Fazit:
Innere Stabilität bedeutet nicht, unerschütterlich zu sein – sondern gut verankert.
Sie entsteht im Zusammenspiel von Selbstwahrnehmung, Klarheit, Abgrenzung und unterstützenden organisationalen Rahmenbedingungen.
Wir freuen uns, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.
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